Arganöl: Marokkos Gold & Frauenpower

Arganöl – “Das flüssige Gold Marokkos”

Kürzlich wollte ich eine neue Flasche Arganöl online kaufen und musste feststellen, dass natives Arganöl zu diesem Zeitpunkt den Status “derzeit nicht lieferbar” hatte. Ich hatte schon davor von dem speziellen und sehr aufwendigen Verfahren zur Gewinnung des Öls gehört. Neugierig wie ich bin, hab ich recherchiert und diese bemerkenswerten Infos gesammelt:

Gewinnung von Arganöl

Die Argannuss wächst auf dem Arganbaum (argania spinosa), ein Spezialist für extreme Klimabedingungen, die nur im Südosten Marokkos, der Arganie, gedeiht und Früchte trägt. Nur zwischen Juni und August werden die Früchte reif – alle 2 (!!!) Jahre. Zwar gab es in Israel und Spanien erfolgreiche Versuche den Arganbaum anzupflanzen, die Bäume trugen jedoch keine Früchte. Die UNESCO hat 1990 das Gebiet am Fuße des Atlasgebirges zum Biosphärenreservat erklärt und den Baum unter Naturschutz gestellt. Seither werden Neupflanzungen seitens der marokkanischen Regierung sowie von Nichtregierungsorganisationen wie der deutschen GTZ unterstützt. Eigentümer der neu gepflanzten Bäume ist meist der Staat.

Die Herstellung von Arganöl immens arbeitsaufwendig.

Die Gewinnung von Arganöl ist traditionell Sache der Berberfrauen. Das Nüsseknacken ist eine harte Angelegenheit. Für die Produktion einer 250ml-Flasche (übliche Handelsmenge) werden rund 7,5 kg Früchte verwendet. Das entspricht in etwa einem Viertel der Ernte eines ganzen Baumes!!! In mühsamer Handarbeit lösen die Frauen das Fruchtfleisch von den Nüssen und klopfen mit Steinen die harte Schale auf. In der Nuss befinden sich die Kerne, aus denen das wertvolle Öl gepresst wird. Je nach Verwendung, ob in der Küche oder Kosmetik, werden die Kerne noch vor dem Pressen geröstet (Küche) oder nicht (Kosmetik). Sie besitzen in etwa die Größe deines kleinen Fingernagels!

Frauenpower auf marokkanisch

Der Süden Marokkos ist arm, die Verdienstmöglichkeiten der Menschen sind äußerst beschränkt. Die Landwirtschaft ist heute nach wie vor auf Esel- oder Maultiergespanne angewiesen, touristisch ist Marokkos Süden (noch) unerschlossen. Bestenfalls für Wellenreiter ist der Küstenabschnitt rund um Essaouira interessant. Hier finden sich abseits der Küstenstraße einige Kooperativen zur Herstellung des Arganöls.

Vor fast 20 Jahren gründeten zehn Frauen gemeinsam mit Zoubida Charrouf, Chemieprofessorin an der Universität in Rabat, die erste Arganölkooperative „Ajddigue“ in Tizdi (www.ajddigue.com). Dieser folgten bald 19 weitere Kooperativen in 5 südlichen Provinzen, die alle unter der Dachorganisation UCFA zusammengeschlossen sind (L’Union des Coopératives des Femmes pour la production et la commercialisation de l’huile d’Argane et des produits agricoles Tissaliwine). Viele verkaufen ihre eigenen Produkte online und vor Ort (z.B. Targanine).

In einer ländlichen Region, wo sonst die Abwanderung in die großen Städte oft einzige Option für Verdienstmöglichkeiten ist, ermöglicht die Produktion von Arganöl Einkommen. Das ländliche Leben bleibt erhalten und die gesicherte Einkommensquelle ermöglicht den Ausbau von Straßen und Trinkwasserbrunnen. Aufgrund der weltweiten hohen Nachfrage nach dem „flüssigen Gold“ soll die jährliche Produktion von derzeit 2.000 Tonnen auf 4.000 Tonnen bis 2020 gesteigert werden. Dass hierfür auch Raffinerien notwendig sind, steht außer Frage. Für die Qualität des Öls macht es keinen Unterschied, ob maschinell oder handgepresst. Für den Verdienst der Berberfrauen jedoch schon. Bei der semi-industriellen Verarbeitung erhalten diese nur noch einen Bruchteil des Einkommens.

Viele der Frauen in den Kooperativen sind alleinstehend oder verwitwet und dringend auf das Einkommen angewiesen. Wer letztlich Mitarbeiterin sein darf wird durch ein eigenes Gremium entschieden. Ausschlaggebend sind die Bedürftigkeit der Frau, ein einwandfreier Leumund, sowie deren Bereitschaft im Jahr zehn Bäume nachzupflanzen.

Deine Wahl beim Kauf entscheidet mit

Über die zahlreich positiven Effekte von Arganöl in der Kosmetik (und Küche) gibt es allerlei Studien. Der hohe Anteil an Linolsäure und Vitamin E kurbelt den Zellschutz an und erhöht die Vitalität und Elastizität der Haut nachweislich.

Ich persönlich bin jedenfalls von dessen Anti-Aging-Wirkung vollends überzeugt. Worauf ich in Zukunft beim Kauf von Arganöl besonders achten werde ist, ein Produkt zu kaufen, mit dem ich die Berberfrauen bei der Ölgewinnung bestmöglichst unterstütze. Dafür bezahle ich auch gerne an die 10 Euro mehr.

Hier die Öle, von deren Wertschöpfung für die Berberfrauen ich überzeugt bin und die ich selbst verwende: Argand’or, ArganArgan, Primavera.

Und hier nochmal der Link zu meinem persönlichen Favourite aus Arganöl!

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