September-Energie or energy flows where attention goes

Schon wieder ist ein Monat rum. Diesmal der trubelige und feurige Monat August. Es ist inzwischen September und dieser bringt uns eine ganz neue Energie. Auch hier in Portugal ist der Schulbeginn zu spüren. Viele sind zurück in den Büros und auch die Temperaturen mäßigen sich langsam. Die Nächte sind deutlich frischer. Wir leben seit 3 Monaten in unserem Wohnmobil und sind Europas Atlantikküste entlang gefahren: von Biarritz in Frankreich bis Sagres in Portugal und wieder hinauf bis Sines.

Zeit für ein erstes Resümee bezüglich unserer vorangegangenen Erwartungen und der alltäglichen Realität vom Familienreisen und Leben im Wohnmobil.

Abenteuerreisen und Musen-Energie

Während unserer Reisevorbereitungszeit in Grundlsee höre ich mich noch sagen: „Wenn wir erst mal unterwegs sind, dann habe ich bestimmt genug Zeit und Muse all meine Gedanken und Themen in Blogbeiträge zu fassen!“ – denn wo küsst einen die Muse besser, als auf abenteuerlichen Reisen? Zweimal pro Monat will ich einen Blogartikel veröffentlichen. Ich sehe Philipp, wie er noch allerhand Kreativwerkzeug in das Wohnmobil packt und auch die Festplatte kommt noch mit. Denn schließlich hat er auf Reisen dann endlich Zeit seine Kunstwerke zu schnitzen und die Videobeiträge für den Blog zu drehen. Ach ja, auch das vierte Surfboard muss noch irgendwo hinein, denn wer nun mal verschiedene Wellenbedingungen surfen möchte, der braucht auch unterschiedliche Surfbretter (oder Shapes, wie Connaiseurs sagen). Ist nun mal so! – So.

Das alles lasse ich mal so im Raum stehen und nehme dich mit auf einen gewöhnlichen Tag bei uns.

Gewöhnlicher Familienalltag auf 12 m²

7:30 Uhr

Wir stehen auf. Philipp meist etwas früher, weil er von allein aufwachen darf und die Nacht auch meist ungestört verbringen hat dürfen… vorne… im Hubbett. Ich, nach einer mehr oder weniger kurzen Nacht im Bett mit den Kindern, werde von Liam geweckt der seinerseits versucht Marie zu wecken  (Namen beliebig vertauschbar). Nach einigen Minuten gebe ich mich geschlagen und lasse das Bett hinter mir… Trommelwirbel…. Der Tag startet: Kinder anziehen, Frühstück richten und auch selbst essen, sofern das geht. Unser Hund wird spazieren gegangen, nebenbei die größe und stärke der Wellen gecheckt.

9:00 Uhr

Wohnmobil fahrtauglich gemacht. Das bedeutet: alle losen Gegenstände verstauen, auch liegengebliebenes Spielzeug, herumhängende Handtücher, leere Wasserflaschen u.a.m. (hier kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen); Tisch abbauen, Kindersitze befestigen – und los geht´s!…

Zehn Meter fahren bis zur Wohnmobil-Servicestation. Denn dort wird der Trinkwassertank aufgefüllt und – aufgepasst, GANZ WICHTIG – die Camping-Toilette entleert! Denn wir sind doch frei und ungebunden und wollen uns nicht voll beladen mit „Losgelassenem“ auf unseren Weg machen…

Wir fahren an den Strand, wo wir entweder fertigfrühstücken – wenn die Wellen gut waren und wir es eilig hatten zum Strand zu kommen – oder einfach mal runter an den Strand laufen, uns nackig oder mit Kleidung im Sand wälzen und unsere Beine von den Wellen umspülen lassen, surfen oder es eben bleiben lassen. [Anm.: Nein, hier gibt es keine Alternative, die Kinder und auch wir müssen spätestens dann mal raus ins Freie und bewegt werden, um einen entspannten Tag zu haben ;-).]

11:45 Uhr

Jetzt knurren bereits schon wieder die Mägen. Also alle Kolibris und Bären vom Sand befreien (so gut das eben geht) und rein ins Wohnmobil: Mittagessen! Danach brauchen unsere Körper eine kleine Ruhezeit. Philipp und Liam schlafen, Marie darf ihre Kinderfolge am Computer ansehen und ich… Ja, ich schaffe es beispielsweise genau jetzt und heute das erste Mal seit langem, mich von der Muse küssen zu lassen, an den Computer zu setzen und zu schreiben.

Was ich sonst in diesem kleinen Zeitfenster tue? Ein großer Teil dieser kleinen Zeit geht in ganz alltägliche Aufräumarbeit, Abwaschen, Herumliegendes sortieren, Sand aus Wohnmobil befördern oder doch mal kurz allein raus und durchatmen.

 

© kolibri&bär

Wenn Energie fliesst

Oder aber, ich telefoniere und kommuniziere – on- oder offline – mit Menschen, die sich für meine Arbeit interessieren, die ich mir aus der grünen Steiermark mit auf Reisen genommen habe. Ich bin seit kurz vor unserer Abreise Partnerin und Mentorin bei einem einzigartigen Frischekosmetikproduzenten aus Hartberg (Ahhh!) und nun auf bestem Weg, mir mit dieser Tätigkeit ein Zusatzeinkommen aufzubauen, und zwar genau von hier aus, wo ich mich im Moment befinde: in unserem Wohnmobil in Portugal – nur mit Laptop, Smartphone und mobilem Router. Mehr brauch ich dafür nämlich nicht. Dahin geht ganz viel von meiner Energie in der letzten Zeit: in meine Visionen für mich, für meine Familie und für ein nachhaltiges, gesundes Leben. Das hat für mich hohe Priorität. Priorität auch deshalb, weil unsere erste Bilanzrechnung bezüglich unseres kalkulierten Reisebudgets rot und nicht schwarz ausgegangen ist und wir unsere Reise nicht frühzeitig beenden wollen. Jetzt verstehst du auch, warum es so lange keinen Kolibri&Bär-Blogbeitrag mehr gab. Denn Energie ist nicht unendlich vorhanden. Da, wo ich meine Aufmerksamkeit hinwende, da fließt sie sie auch. Und weil das funktioniert und so ist, habe ich in Portugal inzwischen schon ein kleines Team aufgebaut, das ich nun auch bestmöglich betreuen möchte.

Ja. Das Geld. Das war vor einiger Zeit ein ernüchternder Schlag für uns. Plötzlich waren Philipp und ich total angespannt, unfreundlich miteinander, jeder hat sich eingekapselt, jeder fühlte sich vom anderen missverstanden. Die Kinder, verlässlich wie immer, unser klarstes Spiegelbild. Ein paar Tage ließen wir das einfach zu ohne Bemühungen diese Energie umzuwandeln… War nicht so schön, aber war eben so. Denn auch das passiert auf Reisen, auch wenn´s nervt – genauso wie die salzige Haut und der Sand zwischen den Zehen abends im Bett.

15:00 Uhr

Die Bären der Familie sind jetzt ausgeschlafen und wir tun, wozu wir gerade am meisten Lust haben. Je nachdem was sich gerade am besten vereinbaren lässt, oder welcher Wochentag und Motto gerade ist, wird bei uns gebastelt, gemeinsam Palatschinken gekocht, gelesen oder an den Strand. Das Schöne am gemeinsamen Reisen ist, dass wir FREI sind und auf die Bedürfnisse aller eingehen dürfen. Egal ob müde, gelangweilt, sehnsüchtig nach anderen Kindern, Bewegungsdrang, Ortwechsel, Arbeiten – zu einem ganz großen Teil können wir auf alles eingehen. Den ganzen Tag lang. Vor allem Marie hat morgens oft noch vor dem Frühstück eine unglaublich kreative Zeit, in der sie Rollenspiele mit den Puppen macht, knetet, zeichnet, singt, sich verkleidet, Einfälle und Ideen grenzenlos! Das kann manchmal bis zu zwei Stunden andauern – und wir können es einfach zulassen. Wir müssen nicht rasch fertig frühstücken, zu einer bestimmten Uhrzeit angezogen und zum Gehen bereit sein. Kinder in den Kindergarten, Eltern in die Arbeit. Wir dürfen unsere Kinder gerade einfach so sein lassen wie sie sind. Sie begleiten bei dem, was sie im Moment tun. Und ihnen das geben, was sie jetzt gerade brauchen, ohne dafür auf etwas verzichten zu müssen. Eines meiner ganz persönlichen Highlights ist es, das so wahrzunehmen zu dürfen. Dafür bin ich jeden Tag dankbar.

 

© kolibri&bär

 

21:00 Uhr

Wir liegen alle im Bett, die Großen mit elektronischen Devices, die auf Tour kommen, wenn die Kleinen schlafen. Jetzt ist die Zeit Emails zu beantworten, mit Freunden und Familie zu kommunizieren, Fotos zu bearbeiten und eben auch Blogartikel zu schreiben. Allerdings ist meine Muse meist schon recht müde und lässt sich nicht gern wachküssen. Und ich, ich lese ohnehin am liebsten abends, in der Stille, im Bett. Philipp sieht lieber Netflix-Serien. Nach diesem geballten Familientag genießen wir auch mal Zeit für sich selbst zu haben. Dürfen wir nämlich auch.

Ja, uns allen geht es also gut. Wir sind im Unterwegssein angekommen, haben unsere Routinen entwickelt und sind mit dem meisten zufrieden. Vieles läuft gut, manches bleibt ein ständiges Stirnrunzeln, so wie die unzuverlässige Stromversorgung, das Budget, die nächste Wohnmobil-Versorgungstation und andere, deutschsprachige Familien zu treffen. Ganz gewöhnliches Familienleben eben, nur auf 12 m² die durch die Landschaft rollen.

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